(20. September 2026) Es ist halb elf am Sonntagmorgen, die Sonne scheint. Noch. Heute hat uns das Team der DLRG Haffkrug-Scharbeutz zum „Wellenritt mit 450 PS“ eingeladen.
Wir sind zu neunt an der neuen Hauptwache an der Strandallee gleich neben dem Luxushotel „Belvedere“. Geschäftsführer Lukas Reuter und sein Kollege Gebietskoordinator Niklas Hoppe heißen uns zu einer privaten Führung in der modernsten Wache der Lebensretter in Deutschland willkommen.
Erst letztes Jahr wurde sie am 24. Mai feierlich eröffnet: Ein Gebäude auf Pfählen auf zwei Etagen plus mit Boots- und Fahrzeuggarage im Untergeschoss, mit zwei Funkarbeitsplätzen und modernster Einsatzleitung für die Lübecker Bucht.
Und ja, sie macht ganz schön was her: Von außen oft verwechselt mit einem schicken Strandrestaurant, so ganz in edlem Holz mit einer fantastischen Balkonterrasse oben im zweiten Stock, da wo die Fäden und Technik zusammenlaufen. „Manchmal klopfen Gäste und wollen einen Tisch reservieren “, erzählt Hoppe.
Der junge „Binnenländer“ ist seit Anfang des Jahres fest angestellt, war vorher einer der vielen ehrenamtlichen DLRG-Retter und -retterinnen, die hier jedes Jahr ihren Wachdienst schieben. Acht Euro gibt’s dafür am Tag; elf, wer den Bootsführerschein hat … plus Fahrtkosten, Unterkunft und Verpflegung und das Feierabendbier. Aufwandsentschädigung, kein Verdienst. Ehrenamt ist Herzenssache, erklärt Hoppe.
Die Kosten für die gemeinsame DLRG-Hauptwache an der Gemeindegrenze zwischen Scharbeutz und Timmendorfer Strand beliefen sich laut Zeitungsangaben angeblich auf rund 1,7 Millionen Euro netto. Genaueres wird nicht berichtet, über die genauen Baukosten, die unsere Tourismusbetriebe bzw. Gemeinden Scharbeutz und Timmendorfer Strand zu gleichen Teilen aufbrachten, wird Stillschweigen bewahrt, vielleicht ein sensibles Thema.
Die Wache dient als zentrale Anlaufstelle und Einsatzzentrale für die Rettungsschwimmer beider Abschnitte in der Lübecker Bucht. Sie ist mit vier Mann/Frau besetzt, modernste Technik zeigt auf den sechs Bildschirmen jedes der neun Boote und sechs Quads, fast in Echtzeit können die Retter den genauen Standort der Kollegen nachverfolgen. So später auch unseren Wellenritt.
56 Sollstärke der Retter in der Hochsaison für die 24 Türme an der Lübecker Bucht von Sierksdorf bis Niendorf plus Offendorf und Klingberg: Der Anteil Männer und Frauen sei ausgeglichen, etwa zwei Drittel seien Wiederholer, weiß Lukus Reuter.
Viele bleiben zwei bis drei Wochen, kommen mehrmals in der Saison, viele aus dem Norden, aber auch aus NRW, Hessen und Bayern. Geschlafen wir in 6er-Zimmern, diese Nähe führt zu Freundschaften. „Ein Grund, warum viele mitmachen“, weiß Reuter. Kameradschaft und Miteinander, das mache die DLRG aus. Und der Wunsch zu helfen.
Über 50.000 Wachstunden leisteten die 600 Rettungsschwimmer allein im Wachgebiet der DLRG Haffkrug-Scharbeutz e.V. diese Saison. Neben den Rettungseinsätzen sind es aber auch viele kleine Helferdienste wie zum Beispiel die Suche nach Eltern umherirrender Kinder und die Versorgung kleinerer Blessuren. Pflaster ist bei der DLRG das Meerwasser in der Suppe. Bildlich falsch ausgedrückt.
In Zahlen erzählt die DLRG-Statistik für 2026: 55 Rettungseinsätze Wasser, 26 Wassersport, 12 technische Hilfsleistungen und 980 medizinische Hilfseinsätze, 110 davon in der Kategorie „schwer“. Zwei Badeunfälle so schwer, dass die Verunfallten nur noch tot geborgen werden konnten.
Kurze Verschnaufspause, dann geht es aufs Wasser: Um zwölf werden wir von der DLRG rübergebracht zur Seebrücke Scharbeutz. Hier wartet ein weiteres Team mit der stolzen „Capelli“: Das 450 PS starke Festrumpfschlauchboots (RIB) wurde für Geschwindigkeit, Wendigkeit gebaut und wird heute bei unserem Wellenritt für eine volle Dröhnung Fahrspaß sorgen!
Als wir einsteigen, lacht Petrus Tränen und schickt seinen feuchten Gruß als Taufe der sieben KÜSTEN-KERLS und zwei mutigen KÜSTENLADIES vom Himmel. Fünf Minuten später begreift er, dass wir uns nicht abschrecken lassen, und es geht mit voller Power gen Neustadt.
Bei Hight Speed verbraucht die Capelli mal eben 200 Liter Super, kein günstiger Ausflug, den uns die DLRG heute spendiert. Aber wir werden es ihnen mit einer Spende danken.
Um halb zwei zurück an der Hauptwache, Schuhwechsel und dann geht es zum Abschluss-Lunch an den weiß gedeckten Tisch ins „Bellevue“ zu Clubsandwich und kleinen Lunchsnacks.
Es hat Spaß gemacht, ihr Lieben und danke, dass ihr an eurem freien Sonntag für uns das Haus auf und eur Boot startklar gemacht habt.
Bis zum nächsten Wellenritt im nächsten Jahr. Ciao, Capelli!

